Foto: Matthias Heyde

 

RIAS Kammerchor

Das künstlerische Profil des RIAS Kammerchores ist unverwechselbar.

Unter den Berufschören ist der RIAS Kammerchor der Pionier in historischer Aufführungspraxis. Seit seiner Gründung setzt er sich außerdem beispielhaft für die Musik der Gegenwart und der Moderne ein. In diesem Spannungsfeld gewinnen auch die Werke des klassischen und romantischen Repertoires in den Interpretationen des Chores intensive Klangrede mit Tiefenschärfe. Unter der Leitung von Hans-Christoph Rademann, seit 2007 Chefdirigent, hat der Chor vor allem in der Breite seiner stilistischen Ausdrucksmöglichkeiten entscheidend hinzugewonnen. Er konnte dabei auf den Leistungen seiner Vorgänger aufbauen.

Bereits in Karl Ristenparts leider unvollendetem Projekt, alle Bach-Kantaten aufzunehmen, zeichnete sich eine klare Abkehr vom Monumentalstil in der Bach-Interpretation ab. Kammermusikalische Transparenz war Ristenparts Leitbild. Als Uwe Gronostay den Chor 1972 übernahm, formte er den Klang weiter nach einem Kammerchorideal um, gestaltete ihn homogen, sicher in der Intonation und flexibel im Stil. Für diese Neuausrichtung suchte er Partner in Europa wie Eric Ericson und seinen Kammerchor. Er führte Grundsätze historischer Aufführungspraxis in die Arbeit ein, die Marcus Creed systematisch weiterentwickelte. Er gewann Spezialorchester wie Concerto Köln, Freiburger Barockorchester, Akademie für Alte Musik, Orchestre des Champs-Élysées als ständige Partner und konnte den Chor 1995 exklusiv mit dem Label harmonia mundi france verbinden.

Dem RIAS Kammerchor verdanken nicht nur zahlreiche Werke neuer Musik ihre Ur- und Erstaufführung, sondern auch ihre sukzessive Verankerung im Repertoire und maßgebliche Einspielungen. Diese Seite des Repertoires zieht sich wie ein Leitfaden durch die Geschichte des Chores. Dass heute wieder Chormusik in großer stilistischer Vielfalt neu entsteht, ist auch ein Verdienst des RIAS Kammerchores und seines stetigen Engagements für das Neue in der Musik. Neben der klassischen Konzertform begibt sich der RIAS Kammerchor auch immer wieder auf weniger bekannte Pfade. Gemeinsam mit dem Verein der Freunde und Förderer des RIAS Kammerchores initiiert und organisiert das Ensemble außergewöhnliche, teilweise genreübergreifende Konzertprogramme an ungewöhnlichen Orten und ist mit diesem Konzept seit zehn Jahren Vorreiter in der Entwicklung und Präsentation innovativer Konzertformate.

Der RIAS Kammerchor wurde am 15. Oktober 1948 vom Rundfunk im amerikanischen Sektor Berlins (RIAS) gegründet. In den ersten 25 Jahren unter Karl Ristenpart, Herbert Froitzheim und Günther Arndt bestimmten Aufnahmen für den Senderbedarf die Arbeit. Mit zunehmender Verfügbarkeit von Tonträgern gewannen öffentliche Konzerte und Gastspiele an Bedeutung. Uwe Gronostay (1972– 1986), den der Chor 2007 zu seinem Ehrendirigenten wählte, leistete diese Neuorientierung, er richtete eine eigene Konzertreihe des Chores ein. Sein Nachfolger Marcus Creed (1987–2001) schärfte das Chorprofil in der Spannung und Begegnung von alter und neuer Musik. Unter seiner Leitung verstärkten sich die internationale Resonanz und Anfragen an den Chor.

Daniel Reuss (2003–2006) rückte die klassische Moderne ins Zentrum und stärkte die Bindungen zu Kooperationspartnern im In- und Ausland. Seit 2007 setzt Hans-Christoph Rademann neue Akzente in der Entwicklung des Chorklanges und des Repertoires. 2012 wurde der RIAS Kammerchor mit der Nachtigall, dem Ehrenpreis des Preis der deutschen Schallplattenkritik e.V. ausgezeichnet. 2010 war er bereits von der britischen Zeitschrift Gramophone unter die zehn besten Chöre der Welt gewählt worden.

Der RIAS Kammerchor ist ein Ensemble der Rundfunk Orchester und Chöre GmbH (roc berlin.) Gesellschafter sind Deutschlandradio, die Bundesrepublik Deutschland, das Land Berlin und der Rundfunk Berlin-Brandenburg.

< Solisten
Start > Künstler > Solisten